Ende des letzten Jahrtausends hieß es, Physiker seien in allen Bereichen der Wirtschaft gefragt. Im Gymnasium zählte Physik zu meinen Lieblingsfächern, also machte ich mir die Wahl nicht schwer und begann das Studium. Nach einigen Hochs und Tiefs, erfolgreichen Auslandspraktika und dem Aufbau vieler Freundschaften in ganz Europa stehe ich nun am Anfang meiner Karriere.

Beruf Diplom-Physiker.
Zukunft ungewiss.

Vom bürokratischen Uni-Zirkus habe ich genug, ich will hinaus in die Wirtschaft, ins wahre Leben! Forschen, leiten, kommunizieren. Euphorisch las ich die tollen Stellenbeschreibungen der großen Firmen, und die Traineeprogramme für den sogenannten Führungsnachwuchs. Da will ich hin! Einige Bewerbungen sind inzwischen abgeschickt, und ich rechne fest mit Einladungen zu Gesprächen. Ja, ich mache mir Hoffnungen, meinen Traumberuf zu finden.

Der erste Tiefschlag war gestern ein Besuch bei der Agentur für Arbeit in meiner Heimatstadt. Ich wollte mich einfach nur arbeitslos melden, denn das bin ich ja schließlich momentan. Nicht um Geld betteln, mich nur melden, damit die Statistik stimmt. Behandelt wurde ich hingegen wie einer, der zweimal seine Ausbildung abgebrochen hat.

Keine Jobangebote, keine Ideen, keine Perspektiven. Dafür blöde Fragen, patziges Auftreten, und die Auskunft, dass ich von nun an „zur Verfügung stehen müsse“. Meine Euphorie wich der Hoffnungslosigkeit. Die Frau machte mich glauben, dass ich, „natürlich nicht am Anfang, aber nach einer Weile“, wenn sich denn keiner herabgelassen hat, mich anzustellen, dass ich dann wohl für 1 Euro den Park von Müll säubern müsse. Und wenn ich das verweigerte, würde ich einfach aus der Statistik gestrichen. Dann zählte ich nicht länger als arbeitslos.

So versteht man zumindest, warum in Deutschland die Arbeitslosigkeit unter Akademikern so gering ist. Die statistische. Es sollen angeblich nur 2% der Physiker arbeitslos sein. Klar, wer will sich schon regelmäßig eine solche Behandlung gefallen lassen.

Beim Schreiben meiner nächsten Bewerbung heute fällt mir auf, dass ich schon viel weniger optimistisch vorgehe. Die Vorfreude, Spannung und Euphorie sind teilweise Versagensängsten und Selbstzweifeln gewichen. Bald werde ich nun ein „Beratergespräch“ bei der Agentur für Arbeit wahrnehmen MÜSSEN, und darüber werde ich hier wieder berichten. Jetzt schreibe ich schnell weiter Bewerbungen, damit ich vielleicht doch drumherum komme…

Viele Grüße nach Deutschland!


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